Meine erste Arbeitswoche an der Helen Keller Schule

Die erste Woche ist schnell vergangen und ich habe viele neue Erfahrungen gemacht und viel Spannendes erlebt.

Nachdem sich die Schüler in der Halle klassenweise aufgestellt haben, werden sie von den Lehrpersonen begrüsst und es werden kleine Übungen gemacht, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu erregen. Dann werden sie von den Lehrern zu den Klassenzimmern geführt. Auf dem Boden der Schule ist der Weg durch gelbe Streifen markiert, welcher den blinden Kindern bei der Orientierung helfen. Vor dem Klassenzimmer müssen sie dann ihre Rucksäcke ordentlich nebeneinander an die Wand stellen und ins Zimmer gehen, um dort dann die Stühle von den Tischen zu heben und sich zu setzen. Die Klasse, in der ich arbeiten darf, besteht aus insgesamt 10 Kindern (4 Mädchen und 6 Jungen). Die Kinder sind alle sehr verschieden. Während die einen vollständig blind sind, können die anderen noch ganz wenig sehen. Die Behinderungen sind unterschiedlich ausgeprägt.

Vor dem Frühstück, welches um 9:30 auf dem Pausenplatz statt findet, werden meistens Übungen bezüglich der Braille Schrift gemacht. Die Kinder lernen, ihren Nahmen auf einer Schreibmaschine für Blinde, oder auf Papier zu schreiben. Anschliessend werden die Blätter ausgetauscht damit die Schüler auch die Namen der anderen lesen können. Danach stehen die Kinder nacheinander auf und gehen zum Waschbecken, um ihre Hände vor dem Essen zu waschen, verlassen den Raum, holen ihre Tasche und gehen hinaus um dort zu essen. Nachdem sie gegessen haben, dürfen sie auf dem Platz spielen. Die Abtrennungen sorgen dafür, dass sie nicht in das Schwimmbecken fallen können.

Nach der Pause stellen sie ihre Tasche wieder vor das Zimmer und gehen erneut in den Klassenraum. Zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen, welches ungefähr um 13:15 Uhr serviet wird, ist das Programm sehr verschieden. An den ersten zwei Tagen wurden die Verhaltensregeln mit den Kindern besprochen. Zweimal haben wir auch die Bibliothek besucht, in welcher die Kinder versucht haben, die Brailleschrift zu lesen, oder der Lehrerin zugehört, wie sie ihnen eine Geschichte vorgelesen hat. Des weiteren bekamen sie Blätter, auf welcher ich mit Heissleim Früchte, Formen und Linien aufgetragen hatte, und mussten entlang der Kleberspur mit einer Stecknadel Löcher stechen oder Papierfetzen aufkleben, sowie mit Kleber Glitzer auftragen. Es war sehr interessant, zu sehen, wie präzise manche arbeiten konnten, während andere mit diesem Auftrag sehr zu kämpfen hatten. Auch gab es Momente, in denen sich die Kinder selber Beschäftigung aus den Schränken holen sollten, während die Lehrperson unterwegs war. Die Spiele trainieren hauptsächlich das Fingergespühr. In dieser Woche lag der Fokus des Unterrichts hauptsächlich auf diesen vier Themenbereichen.

Auch wenn es noch nicht ganz einfach ist, mit den Kindern zu kommunizieren, kann ich schon einen Teil von dem, was sie sagen, verstehen. So kann ich die Lehrperson schon ein bisschen unterstützen. Denn auch wenn die Klasse vergleichsweise klein ist, ist es sehr anspruchsvoll für eine Person. Die Kinder sehen nämlich nicht, wo wir sind, oder ob wir gerade mit einem anderen Kind aus der Klasse beschäftigt sind und so rufen sie so lange nach uns, bis wir ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken.

Ausserdem habe ich die Aufgabe, die Kinder auf dem Weg ins Bad zu begleiten. Ich laufe hinter ihnen und sorge dafür, dass sie nicht in die Wand oder zu weit in eine Richtung laufen.

Um eins waschen sich die Kinder wieder ihre Hände, während ich mich mit Annika in der Küche treffe, um etwas zu essen und das Besteck bereit zu stellen. Dann kommen die Kinder in den Esssaal und setzen sich klassenweise an die Tische. Die Lehrpersonen stellen vor jedes Kind einen Becher, in welchem sich eine Gabel, ein Löffel und eine Serviette befinden. Sie müssen sich selber das Besteck korrekt hinstellen, während die Lehrpersonen und wir Freiwillige ihnen sagen, was sie wo hinlegen sollen: Den Becher auf 12 Uhr, den Löffel und die Serviette auf 3 Uhr, die Gabel auf 9 Uhr. Den Kinden werden drei Gänge serviert, nach jedem Gang müssen sie sich melden, dass man ihnen den nächsten bringt. Zum Schluss schenken sie sich dann noch (mit Hilfe der Lehrpersonen, da sonst alles daneben geht) etwas zu trinken ein, räumen den Tisch ab, säubern ihn und holen ihre Taschen. Sobald alle fertig sind, werden sie zum Eingang gebracht und von den Eltern abgeholt.

-Leah

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